Entwickeln eines eigenen Stils als Fotograf

Jeder Fotograf hat es schon mal gehört. Jeder sollte seinen eigenen Stil entwickeln. Nicht zuletzt auch damit man sagen kann: Schau her, dies ist ein Bild von diesem oder jenem. Wenn man sich Fotos von Daido Moriyama ansieht, erkennt man dessen eigenen und persönlichen Stil, Bilder zu gestalten. Das gleiche gilt für viele andere bekannte Fotografen, die natürlich auch durch ihre Art und Weise Fotos zu machen, bekannt und dafür berühmt geworden sind.

So weit, so gut.

Dieser Ansatz ist grundsätzlich nicht falsch. Ich teile ihn dennoch nicht zu 100 Prozent. Damit stelle ich nicht die außergewöhnliche Kunst großartiger Fotografen in Frage. Diese ist ohne wenn und aber erstklassig. Joel Meyerowitz und Robert Frank zum Beispiel. Natürlich Henri Cartier-Bresson.

Den eigenen Stil zu suchen und letztlich auch zu finden ist schwierig. Der Prozess, sich selbst zu entwickeln und zu erkennen, dass man Interesse an bestimmten Kategorien hat und an anderen nicht, ist nur durch Arbeit mit und an sich selbst möglich. Man setzt diesen in dem Moment in Gang, sobald man sich zum ersten Mal mit der Fotografie beschäftigt. Das muss noch nicht mal mit dem Vorsatz verbunden sein, regelmäßig Fotos zu schiessen. Aber jeder, der auch „nur“ sein Smartphone zum Fotografieren nutzt, hat diesen Prozess irgendwann in Gang gesetzt.

Bilder sind in unserer Zeit und in unserem Leben allgegenwärtig. Einige findet man gut, andere nicht. Die einen schaut man sich länger und lieber an, andere wiederum seltener. Was mir gefällt muss nicht zwangsläufig auch anderen gefallen. Das ist individuell verschieden, weil jeder einen anderen Geschmack hat. Es beginnt mit dem Sehen, der Wahrnehmung. Die Art und Weise wie wir unsere Umgebung sehen und wahrnehmen beeinflusst auch, wie wir letztendlich unsere eigenen Fotos und Bilder gestalten. Damit ist unser persönlicher Stil bereits grundsätzlich festgelegt. Es geht meiner Meinung nach nun nur noch darum dieses auch in seinen Bildern zum Ausdruck zu bringen. Diese Umsetzung des eigenen Sehens in seine Bilder ist damit aber nicht auf nur „einen“ Stil begrenzt. Stil ist nicht die Kategorie in die andere unsere Fotografie einordnen, wie Landschafts- oder Portraitfotografie, sondern die Gestaltung des Bildes an sich. Durch Ausnutzen von natürlichen Gegebenheiten und Licht. Durch Bearbeitung des Bildes in Farbe oder in Schwarz/Weiß. Man kann einen Stil sogar über Kategorien hinweg anwenden. Jemand der ausschließlich Straßenfotografie betreibt hat dadurch noch keinen eigenen Stil entwickelt.

Dazu kommt, dass man im Laufe der Jahre seine Vorlieben und auch seinen Stil wahrscheinlich ändern wird. Ich weiß nicht, wie meine Fotos in 10 Jahren aussehen werden, welche Motive ich fotografieren werde oder möchte. Ich weiß nicht, ob ich irgendwann Gefallen an Portraits finden werde, oder an Makrofotografie. Aber auch das ist ein Teil des Prozesses, seinen eigenen Stil zu finden und zu entwickeln.

Harry Callahan, ein amerikanischer Fotograf (nicht der „Dirty Harry“ Filmcharakter von Clint Eastwood!!) hat vor mehr als 30 Jahren gesagt: „Once you get a style, you´re sort of dead!“. Frei übersetzt heißt das so viel wie, dass man so gut wie gestorben ist, sobald man einen Stil für sich gefunden hat. Diese Behauptung finde ich richtig gut! Einen Stil zu haben oder zu entwickeln und diesen für den Rest seines Fotografenlebens beizubehalten ist einseitig und höchst unflexibel, weil man damit aus meiner Sicht aufgibt, sich selbst weiter zu entwickeln. Fotografischer Stillstand! Kreativitätstod!

Ich möchte mich weiterentwickeln. Es gibt so viel zu lernen im Bereich der Fotografie und ich bin mir absolut sicher, erst einen kleinen Bruchteil dessen gesehen zu haben, was noch auf mich wartet, entdeckt zu werden. Deshalb ist es auch nicht schlimm, keinen eigenen Stil zu haben, denn das bewertet immer noch jeder für sich selbst und nicht andere! Solange ich meine eigenen Bilder gut finde ist alles in Ordnung. Niemand wird mir sagen können, keinen eigenen Stil zu besitzen. Ich werde einen vielleicht sogar niemals endenden Prozess durchlaufen, Bilder zu gestalten. Vielleicht ohne für andere sichtbaren eigenen Stil, aber immer mit Bildern, die mir gefallen.

Happy shooting!